welcome back from outer space (online-Album)

Artist
Roman Schwaller
Released
2026

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Am 16. Oktober 1995 nahm „The New Roman Schwaller Jazzquartet“ (Roman Schwaller, ts – Oliver Kent, p – Thomas Stabenow, b – Mario Gonzi, dr) seine erste CD im Münchener „Trixi-Studio“ auf, lediglich eine Probe vorher und ein „warm-up gig“ im Schwabinger „Grünen Eck“. Das Ergebnis war und ist schlichtweg (damit es auch jüngere Leute verstehen): MEGA! Timeless Jazz! Dank an Joe Haider, dass die Aufnahme endlich ins WWW kommt, und Florian Oestreicher vom „realistic sound„. P.S. – Gerne in das „erste Quartett“ vom 7. Januar 1984 reinhören, ein up-tempo mit Halbe = 170!

Hier die einzigartigen liner-notes von Thomas Brütsch:

nehmen wir einmal an / es ist samstagnachmittag/ und sie überlegen sich / ob es vielleicht besser ist / die neue platte einzulegen / die sie sich gestern abend an einem konzert erstanden haben / oder ob sie besser einkaufen gehen sollten / um am sonntag nicht vor einem gähnend leeren eiskasten zu stehen / weil sie keine lust haben / sich auch das bevorstehende wochenende wieder von pasta zu ernähren / um mit einer tube einbalsamierter tomatenkadaver einen sugo zu kreieren/ vielleicht sind sie unseriös / sie entscheiden sich / wie auch das wochenende zuvor / für die kompakte platte / nach dem ausgedehnten ausschlafen ein jazziges frühstück / wieso eigentlich nicht / sagen sie sich zurecht / ein wenig kultur / nach dem aufstehen / um dann später noch einkaufen zu gehen / wieso eigentlich nicht / und ausgehen können sie ja auch noch / auswärts essen gehen / und auf die selbstgemachte pasta verzichten / und das alles nach ein wenig jazz // sie legen also die neue platte auf / oder in / den kasten / und sind gespannt / was die gestern aufspielende band heute auf konserve in ihnen für einen nachgeschmack hinterlässt / und vielleicht legen sie sich dazu auf eine liegematte / vielleicht geniessen sie den sound lieber in vertikaler position / ich weiss auch nicht / sie legen jetzt also diese scheibe in den elektronischen kasten // so könnte die geschichte um diese platte also beginnen / sie halten die neue scheibe des roman schwaller jazzquartets in händen / sie haben sie gestartet / und wenn sie sich an gestern erinnern / sehen sie vier mannen / vor dem inneren auge / die ihnen eine freude offerieren / ich bin ganz sicher so etwas behaupten zu können / denn / erstens / sonst hätten sie diese platte nicht gekauft / und zweitens / wenn ihnen die platte als geschenk überreicht worde ist / was auch nicht schlecht ist / dass sie solche schenker haben / oder sie von berufswegen hinenhören müssen / kann ich ihnen versichern / haben sie allen grund zur vorfreude / oder sie sammeln mit konstanter bosheit platten von jazztormationen / gehören also zum erlauchten und kleinen kreis von jazzfreunden / auch das gibt es / dann kennen sie bereits einige der spielenden herren / und sie sind vielleicht nur noch auf den pianisten gespannt / der weiland noch wenig bekannt ist / auch das kann sie / trotz aller abgebrühtheit / noch erfreuen / sie haben also die freude / die band des einzigen lebenden jazzmusikers europas zu geniessen / ach so / wie ich das meine / wollen sie wissen / es ist ganz einfach / doppelpunkt / roman schwaller / liebt den jazz / und lebt den jazz / das hören sie / wenn sie das nicht hören / dann legen sie die platte besser wieder beiseite / das hören sie in konzerten von ihm / auf platten / es ist die urige kraft dieses tenoristen / die diese behauptung selbst bestätigt / der einfallsreichtum seiner improvisierten linien / horizontal wie vertikal / seine musikalische ausgeglichenheit beim intonieren von balladen / die ehrlichkeit und kompromisslosigkeit seiner musik / die immer wieder weismacht / dass dieser roman schwaller seinen eigenen stil hat / dass er in sein musikalisches werk sein leben einfliessen lässt / dass er eine verkörperte liebesgeschichte zum jazz selber ist / dass bei ihm leben und spielen dasselbe sind / sein werk immer im zusammenhang mit dem leben zu sehen ist // schwaller ist beileibe nicht der schnellste saxophonist / ich auf jeden fall / kenne schnellere / und / er ist auch nicht gerade der gewaltigste neuerer auf seinem instrument / das heisst / dass er der tradition stark verwurzelt ist / er hat die melodien keinen artistischen mätzchen ausgeliefert / nur um im gespräch der kritiker zu bleiben / das mag man beurteilen wie man will / auf jeden fall / kann man ihm nicht absprechen / ehrlich und kraftvoll an der musik geblieben zu sein / die ihm alles bedeutet // wissen sie / wenn wir roman schwaller zitieren wollen / der einmal definiert hat / dass jazz die musik sei / bei der es groovt / die swingt / die dreckig ist / und bei der es dingdingeling macht / muss man ihm recht geben / seine musik erfüllt willsgott alle diese punkte / so einfach ist das / vielleicht ist es wie bei der oper / oder bei gemälden / fragen sie mich nicht / aber / wenn ich trotzdem etwas sagen darf / dann ist es / meiner meinung nach / das was einen lupft / was immer noch den sinn in jedwelcher art von irgendetwas ausmacht / und wenn das keine definition von kultur ist / dann weiss ich auch nicht / was kultur ist // wenn johnny griffin Ill neunzehnhundertfünfundachtzig roman schwaller etwas erstaunt bescheinigte / beim ersten legendären konzert der three generations of tenorsaxophone im münchner allotria / dass der junge tenorist eben nicht wie sein altes vorbild / sondern wie er selber töne / dann ist das eine zwar ziemlich simple erkenntnis / gemessen an den kulturellen leistungen der menschheit überhaupt / aber es ist auch unglaublich schmeichelnd / und griffin hat mit diesem bühnengeflüster den nagel auf den kopf getroffen / anders ausgedrückt / hat er dem otto link ein la voz eingelegt / verbal natürlich / und bildhaft // die impertinente behauptung / schwaller der einzig lebende jazzer europas / ist wahrscheinlich übertrieben / möchte ich doch nicht allen anderen jazzern ihre existenzgrundlage wegnehmen / denn ein solches leben ist / materiell gesehen / doch schon hart genug / aber sie soll auf rüde art und weise verdeutlichen / was in seiner musik zu hören ist / und was in einen beim genuss seiner musik eindringt / sie drückt aus / was in dieser musik wichtig ist / doppelpunkt / die geniale kongenialität der band mit ihrem solisten / die freude froh sein zu können / solche musiker hören zu dürfen / sozusagen einen vollen schuh jazz herausgezogen zu haben / und / den schwelenden depressionen des alltags ein kleines schnippchen geschlagen zu haben / für eine plattenlänge alles vergessen zu können / die termine / die zahlungsbefehle / die früh schliessenden läden am samstagnachmittag / und die pasta / die bei ihnen morgen trotz aller guten vorsätze die sonntägliche küche nicht verpestet / weil sie / aus lauter gutem jazz / die ladenschliesszeiten missachtet haben / im vollen bewusstsein // das alles kann die musik dieses neuen roman schwaller jazzquartets bewirken / ihre normale existenz mit ziselierungen der wunderbarsten art umkränzen // ich könnte ihnen jetzt noch viele blumige vergleiche unterjubeln / möchte aber / zum schluss nicht ablenken / vom genuss der musik / die gerade läuft / und ihnen einen wiederum einfachen tip geben // gehen sie morgen essen / bestellen sie pasta ohne konservengeschmack / die musik / die sie gerade hören ist ja auch vom feinsten // thomas brütsch / jazzfreund //

 

just imagine you’re in europe / it’s saturday afternoon / and you think about whether it’s better / to listen to the new CD / which you bought yesterday after the concert / or go shopping / ‘cause everything is about to close / and you’ll end up standing in front of the boring empty fridge / being completely unmotivated to have pasta again / just to create a tomato sauce with a can of embalmed tomato carcasses / maybe you’re unserious / you decide / like the weekend ago / yourself for the CD / after having slept through / a little jazz brunch / why not / you say to yourself and it’s right / a little bit of culture / after getting up / you’ll shop later / why not / you also could go out and eat somewhere else / and cancel the homemade pasta / and all that / after a little jazz // o.k. / you decide to put the CD above / in the machine / you’re nervous / what kind of taste the band played last night / has put in the can // and maybe you just lay down / or you’d rather enjoy the sound in a vertical position / i don’t know myself / now you push the button // that’s how the story could start about this CD / you hold the cover in your hands / you have just started it / and if you remember yesterday / you see four men/ in front of the inner eye / who like to bring you joy / i’m pretty certain to say that / ‘cause / at first / otherwise you wouldn’t have bought the CD / and second / if it was a present to you / which is not a bad idea either / that you have folks who give you presents / or maybe you have to listen to it for professional reasons / i can assure you / you have a reason for anticipation / or you’re just one of those desperate collectors of jazz albums / means that you’re a member of that small esoteric group of jazz friends / that exists too / then you know some of the gentlemen playing / maybe you’re just cirious about the young man at the piano / ‚cause he’s not known that much yet / that could be also / in spite of all experience / enjoy yourself /so you have joy / to listen to the band of the only jazz musician in europe / gee / what do you mean by that / you’re asking / it’s quite easy / colon / roman schwaller / loves jazz / and he lives jazz / you can hear that / if you can’t / just put the CD away / you can hear it in his concerts / on recordings / it’s the unique power of this tenor player that is a self-proving statement / the richness of ideas in his melodic lines / horizontal as well as vertical / his musical compensation In interpreting ballads / the honest and uncompromising way of delivering his music / that makes you wise again / roman schwaller has his own style/ and he’s influenced in his work by the way he lives / he is a personified love story to jazz itself / and life and playing means the same to him / his works have always to be seen in connection with his life // schwaller is not the fastest player in the world / at least / i know faster ones / and / he’s not what you would call an inventor on his instrument / that means / his roots are in the tradition / he doesn’t force an artistic point of view upon the melodies / just to be a subject of discussion among iazz critics / you might judge yourself / in any case / we should agre upon that he’s honest and powerful to the music / that means everything to him // you know / just to quote roman schwaller / who once defined / that jazz is a kind of music / where it’s groovin’ / swingin’ / a music that is kind of dirty /where it goes «ding-ding-a-ling» / he is right / his music fulfils all these points / it’s that easy / maybe it’s like in the opera / or with paintings / don’t ask me / but / if nevertheless may say something / it is / and that’s only my meaning / the point that catches me / and that’s the sense of everything / in any kind / and if this is not a definition of culture / i don’t know what culture actually is // when johnny griffin Ill in nineteenhundredeightyfive certified to roman schwaller / being pretty much surprised / after the legendary concert of the three generations of tenor sax / the third being sal nistico / in the allotria jazz club in munich germany / that the young player wouldn’t sound like his old favourite tenor player / but like himself / that is quite a simple realization / compared to the cultural achievements of the human race / but it is unbelievably flattering / and griffin hit the point right there with his little stage-talk / to say it differently / he has put a la voz on the otto link / verbally of course / and figuratively // the impertinent statement / that schwaller is the only living jazz musician of europe / is probably an exaggeration / i don’t want to take away the existence of the foundation laid by other jazz musicians / because such a life / from a material point of view / is hard enough / but it’s just explained in a rough way / what you can hear in his music / what invades you while listening / it expresses what is important in the music / colon / the brilliant congeniality between the band and its soloist / the joy to be playing / to be able to listen to such musicians / pouring a shoe full of jazz / to get away from the smouldering depressions of daily work / to forget everything ‘til the end of the album / the appointments / the bills to pay / the early closing of stores on a saturday day afternoon / and the pasta / that won’t contaminate your sunday kitchen / in spite of all resolutions / because of good jazz / you ignored the stores closing / in full consciousness // all this can be caused by the music of this new roman schwaller jazz quartet / to get some wonderful sound engravings around your normal existence / i could mention a lot of other examples / but i would like / not to divert towards the end / from the pleasure of the music / that you are listening to / and to give you a little hint // eat tomorrow / order pasta without the taste of can / the music / that you’re listening to / is of an excellent quality too // thomas brütsch / jazz friend